„Ich werde nie verstehen, warum Porsche seinen Modellen Namen karibischer Geldwäsche-Staaten und französischer Kolonialstädte gibt.“
Jay Leno

Deutsche Autonamen sind jetzt ausgestorben. Karl war der Letzte.

Heimlich, still und leise verschwanden die Opelmodelle KARL und ADAM aus dem Sortiment, nachdem PSA die Marke Opel übernommen hatte. Jetzt gibt es keine Großserienmodelle mehr mit deutschen Autonamen. Natürlich gibt es bei verschiedenen Herstellern noch eingedeutschte Modellnamen wie GOLF, POLO und PASSAT bei Volkswagen, MOKKA und COMBO bei Opel, TALISMAN bei Renault, JAZZ bei Honda oder PUMA bei Ford. Diese Begriffe sind jedoch Lehnwörter, die in Deutsch verstanden und genutzt werden – ursprünglich deutsche Namen sind derweilen vom Markt verschwunden.

Selbstverständlich bestehen noch die Dachmarke „VOLKSWAGEN“ – deutscher geht es kaum – sowie ein paar Eigennamen (z.B. Porsche) und Abkürzungen (z.B. BMW). Davon abgesehen gehören derzeit weltweit die chinesische Nischenmarke LANDWIND und der amerikanische Mobilitätsanbieter UBER zu den letzten deutsch-inspirierten Corporate Brands im Automotive-Sektor.

Angst vor deutschen Autonamen?

Das war nicht immer so. Die Älteren unter uns kennen noch KADETT, REKORD und KAPITÄN von Opel, TAUNUS von Ford oder PRINZ von NSU. Umso erstaunlicher, dass in dem Land, in dem das Automobil erfunden wurde, kein Modell mehr einen Namen aus der Landessprache trägt. Wer jetzt sagt, das sei der Internationalisierung der Märkte geschuldet, mag der Intention der Markenverantwortlichen folgen, hat aber nicht zwangsläufig recht. Typisch deutsche Markennamen wie „Jägermeister“ beweisen, dass man weltweit sogar mit Umlaut Erfolg haben kann.

Ich hatte mal das Glück, die amerikanische Late-Night-Legende Jay Leno kennen zu lernen. Insider wissen, dass Leno eine der größten privaten Autosammlungen in den USA besitzt. Jay Leno sagte mir: „Ich liebe deutsche Autos, aber ich werde nie verstehen, warum Porsche seinen Modellen Namen karibischer Geldwäsche-Staaten und französischer Kolonialstädte gibt.“ Diese Frage konnte ich ihm auch nicht beantworten.

Kunstnamen sind leichter austauschbar und schwerer einer Dachmarke zuzuordnen

Marke sein, heißt anders sein. Das beherzigen nicht alle Hersteller. Bevor wir als Endmark für Opel den Namen MOKKA entwickelten, führten wir unter auto-affinen Personen eine Umfrage durch. Gefragt wurde u.a. „Was ist ein AGILA?“ mit den Antwortvorgaben: Toyota, Renault, Suzuki, Kia und Opel. Nur etwa 3% wussten, dass es sich um einen OPEL handelte.

Ein Fazit daraus: Kunstnamen sind leichter austauschbar und schwerer einer Dachmarke zuzuordnen, besonders wenn es um ein Nischenprodukt geht. Die Entscheidung für MOKKA war somit eine bewusste Rückkehr zu lexikalischen Namen (wie Rekord, Manta und Ascona), mit denen Opel in den 70er Jahren einmal Marktführer in Deutschland war. Diese Namen sind zwar nicht alle so explizit deutsch wie der nachfolgende Opel KARL, aber sie bleiben erkennbar anders als die anderen.

 

 Bernd M. Samland

 

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