Englische Autowerbung kommt in Deutschland nicht an
Im Rahmen der Langzeitstudie über das Verständnis
englisch-sprachiger Werbung hat die Kölner Agentur Endmark erneut die Automobilwerbung
unter die Lupe genommen. Deutschsprachige potentielle Kunden wurden gefragt,
was ihnen englische Werbesprüche sagen. Eine wörtliche Übersetzung wurde nicht
verlangt; vielmehr ging es darum festzustellen, welche „sinngemäße“ Botschaft
bei den Befragten ankommt. Die ersten Zwischenergebnisse liegen jetzt vor.
Wiederum konnte eine deutliche Mehrheit die englische
Werbung nicht im Sinne der Absender verstehen. Die Spitzenreiter
der falsch verstandenen Werbesprüche bildeten „Drive the Change“ von
RENAULT nur übertroffen von „Urban proof energised“ für den NISSAN JUKE
und dem brandneuen MADZA-Spruch „Defy Convention“. Aber auch weitere
englische Sprüche von SEAT, HYUNDAI und MITSUBISHI wurden mehrheitlich nicht
verstanden. MITSUBISHIs Werbezeile „drive@earth“ wurde meist gar nicht
als Werbung erkannt, sondern als (unvollständige) E-Mail-Adresse interpretiert.
Nur 19% der Befragten konnten den vermeintlich einfachen Spruch „Drive the
Change“ sinngemäß erfassen, nämlich als „Fahre die Veränderung / Verändere
dich“. Die meisten interpretierten etwas wie „fahr auf die Chance ab /
ergreife die Chance“; andere mutmaßten sogar „Fahre für Kleingeld /
Wechselgeld“. Verglichen mit dem Vorgängerspruch „créateur d´automobile“
wurde dem neuen Spruch signifikant weniger Authentizität und damit auch
weniger Glaubwürdigkeit zugesprochen. Offensichtlich handelt es sich dabei um
eine nicht ganz glückliche Adaption des französischen RENAULT-Spruchs: „Changeons
de vie, changeons l´automobile“.
Mit unter 16% noch geringer war der Anteil derjenigen, die
in der Lage waren „Urban proof energised“ sinngemäß einzuordnen, und
kaum jemand (3%) vermochte „Defy Convention“ richtig zu deuten. Der
erste Spruch, mit dem für den kleinen Spaßgeländewage JUKE von NISSAN geworben
werden soll, ist auch kaum übersetzbar. Im weitesten könnte er mit „erwiesener
Maßen voll Energie für die Stadt“ interpretiert werden. An der Vokabel
„defy“ (engl. = trotzen, widerstehen) scheiterten fast alle Befragten.
Mehr zum Thema Missverständnisse mit englischer Werbung hat
der Initiator der Endmark- Werbestudien, Dr. Bernd M. Samland, jetzt in einem
Buch zusammengefasst: „Verstehst du schon oder übersetzt du noch?
Werbe-Englisch für Anfänger“, das soeben bei Herder erschienen ist.